Für die Soldaten, die während der Befreiung der Niederlande in oder in der Umgebung von Munitionslagern arbeiteten, stellte die Anwesenheit von Tonnen an Sprengstoff eine ständige latente Bedrohung dar, die den Arbeitsalltag mit einer nie ganz weichenden Anspannung erfüllte. Ein direkter Treffer einer Mörsergranate oder eines Artilleriegeschosses auf ein Munitionsdepot bedeutete nicht nur den Verlust kostbarer Vorräte, sondern löste eine katastrophale Explosion aus, die alles und jeden in der Umgebung vernichten konnte. Dieses Wissen war jedem Mann präsent, der Kisten mit Granaten verlud, stapelte und transportierte.
Die Soldaten in der Munitionslogistik gehörten nicht zu den Kampftruppen, doch sie operierten unter annähernd ebenso gefährlichen Bedingungen. Munitionsdepots wurden so nah wie möglich an der Frontlinie angelegt, um die Nachschubzeiten zu minimieren, was bedeutete, dass sie regelmäßig im Wirkungsbereich feindlicher Artillerie lagen. Die Standortwahl war eine ständige Abwägung: Zu weit von der Front entfernt bedeutete längere Nachschubwege und Verzögerungen in der Versorgung, zu nah an der Front bedeutete, dem Risiko feindlichen Beschusses ausgesetzt zu sein.
Während der Kämpfe in den Niederlanden nutzten die alliierten Nachschubtruppen bestehende Gebäude als provisorische Lagerstätten. Bauernhöfe, Scheunen, Kirchen und Fabriken wurden beschlagnahmt und zu Munitionsdepots umfunktioniert; ihre dicken Mauern boten einen gewissen Schutz vor Granatsplittern, und ihre verstreute Lage in der Landschaft erschwerte es den Deutschen, alle Depots gleichzeitig auszuschalten. Die Dorfbewohner, die in der Nähe eines beschlagnahmten Gebäudes lebten, das bis unter das Dach mit Munition vollgestapelt war, taten dies in dem ständigen Bewusstsein, dass ein einziger Treffer ihr Zuhause und womöglich ihr Leben zerstören könnte.
Nach erfolgreichen Gefechten mussten die von den sich zurückziehenden Deutschen verlassenen Munitionsdepots gesichert werden, bevor sie in unbefugte Hände geraten konnten. Zurückgelassene Munition, oft in großen Mengen, war gleichermaßen gefährlich wie begehrt: gefährlich, weil sie nach jahrelanger Lagerung instabil sein konnte, und begehrt, weil sie in einem Land, das unter akutem Mangel litt, wertvolle Rohstoffe darstellte. Die Sicherstellung und Räumung zurückgelassener Munition war eine Aufgabe, die noch Jahre nach der Befreiung andauerte und die bis zum heutigen Tag noch aktuell ist, wenn bei Bauarbeiten alte Munition entdeckt wird.